Im Kreis Euskirchen erinnern heute über 230 Stolpersteine an die Opfer des Nationalsozialismus und der Shoa. Ihr Künstler Gunter Demnig sagt „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Mit den Steinen vor den Häusern sollen die Erinnerung an die Menschen lebendig gehalten werden, die einst in ihnen lebten.
Heute jährt sich die Befreiung des KZ Auschwitz zum 77. Mal. Auschwitz – der Ort, der zu einem Sinnbild der massenhaften Vernichtung von Juden, von Sinti und Roma, von Menschen mit Behinderung, aber auch von Widerständler:innen und queeren Menschen wurde.
Die Jahre vergehen, der Schrecken bleibt unvergessen. 77 Jahre nach der Befreiung Auschwitz wollen wir daran erinnern, dass die industrielle Vernichtung von Menschen nicht abstrakt und namenlos war – auch wenn die Reduzierung von Menschen auf Nummern das suggerieren sollte –, sondern dass hinter jedem ihrer Opfer ein individuelles Schicksal steht. Über 6 Millionen Geschichten, von denen viele vergessen sind, da niemand mehr übrig blieb, die oder der sie hätte erzählen können. Über 6 Millionen Menschen, die Pläne, Träume und Hoffnungen hatten, die mit ihnen gemeinsam gestorben sind.
Stellvertretend für alle Opfer des Nationalsozialismus nennen wir heute den Etuimacher Karl Bonaszewski. Karl wurde am 31. Juli 1913 in Köln geboren und lebte später in Schleiden bei seiner Schwester und deren Mann in der Dorfstraße 17 in Wolfgarten bei Gemünd. Der politisch Oppositionelle wurde 1939 wegen eines Verstoßes gegen den sogenannten „Schwulen-Paragraf“ 175 verhaftet und verurteilt. Statt 1943 nach der Verbüßung seiner Strafe in die Freiheit entlassen zu werden, wurde er als Zwangsarbeiter ins KZ Natzweiler im Elsass deportiert. Hier angekommen wurde Karl auf eine Nummer reduziert – er war ab jetzt Häftling 3981 und ein rosafarbener Winkel an seiner Häftlingskleidung kennzeichnete ihn als homosexuell. Ein Jahr später, 1944, wurde Karl zunächst ins KZ Dachau überführt. Hier bekam er nicht etwa seinen Namen zurück, sondern eine neue Nummer: 112.475. Kurz darauf wurde Karl ins KZ Neuengamme bei Hamburg verlegt – und erhielt wieder eine neue Nummer. Diesmal die Nr. 61.723. Bis sich die Alliierten im April1945 Norddeutschland näherten, musste Karl schwere Zwangsarbeit leisten. Zudem ist davon auszugehen, dass er als Homosexueller unter heftigen Repressalien der SS und der Capos zu leiden hatte. Welches Schicksal Karl im Folgenden erlitten hat, ist letztendlich ungeklärt. Höchstwahrscheinlich starb er auf einem der Schiffe, auf denen die Nationalsozialisten die KZ-Häftlinge „evakuierten“, um die Spuren ihrer Gräueltaten zu verwischen.
Heute gedenken wir GRÜNEN im Kreis Euskirchen Karl und all der ungenannten Opfer des Nationalsozialismus und der Shoa. Gemeinsam wollen wir ein Zeichen dafür setzen, dass #niewieder nicht bloß ein leeres Hashtag ist: Es ist eine Positionieren gegen die momentan scheinbar wiedererstarkende politisch Rechte.
#WeRemember #neverforget #YadVashem

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